Stiftung de Teuge

Stiftung de Teuge

Der Plan der Stadt Zutphen war grün und progressiv. Ein nachhaltiges Wohnviertel, das an ein kollektives Heizungssystem angeschlossen ist. Das entsprechende Wärmespeichersystem erweist sich jedoch keinesfalls als nachhaltig, ist sehr benutzerunfreundlich und scheitert an mehreren Fronten. Die Bewohner des Neubauviertels Teuge werden direkt nach Übereignung ihres Hauses mit hohen Stromrechnungen, unnötigen Zusatzkosten und Beeinträchtigung ihrer Wohnqualität konfrontiert. 2013 schalteten Rechtsschutzversicherer De Haan Rechtsanwälte & Notare ein. Nun konnten endlich konkrete Maßnahmen ergriffen werden!

Robert van den Breemen
Wenn der Beigeordnete der Gemeinde Zutphen, Hans La Rose, nach jahrelangem Tauziehen auf einem Diskussionsabend im Jahr 2011 selbst von einem ‚missglückten Experiment an der Ijssel‘ spricht, könnte man denken, dass eine Lösung für die Geschädigten nahe ist. Das ist allerdings nicht der Fall, wie das Vorstandsmitglied Robert van den Breemen der „Stichting de Teuge“ inzwischen weiß. Der betroffene Bewohner, Sachverständige und ehemalige Vorsitzende der Eigentümer- und Interessengemeinschaft de Teuge umreißt die inzwischen schleppende Angelegenheit zwischen der Gemeinde, dem WKO-Betreiber Vitens und den Bewohnern.

‚Energiesparende Wohnung‘
Der in Zutphen geborene hatte es sich anders vorgestellt: „Zutphen ist ein toller Wohnort. Als sich die Möglichkeit ergab, endlich wieder in der Nähe meiner Familie in de Hoven (West-Zutphen) leben zu können, in einer hübschen und laut Gemeinde und Bewohnern ‚energiesparenden Wohnung‘, waren wir uns schnell einig.“ Nachhaltiges Wohnen an deinem Lieblingsplatz; Besser hätte sich die Familie es nicht wünschen können. Sie war jedoch verpflichtet, am kollektiven WKO-System teilzunehmen. ,,Ich fand das prima, es gehörte zu den nachhaltigen Absichten dieses Projekts. Nachdem ich selbst nachgerechnet hatte, hatte ich jedoch meine Bedenken bei den zugesicherten Energieleistungen, aber ich vertraute den Bauherren und dem Unternehmer."

Probleme
Sofort im ersten Winter erlebt Roberts gesamte Familie verschiedene Unannehmlichkeiten. Das Heizungssystem kann aufgrund von Kapazitäts- und Einstellungsproblemen des Haus der Familie schlichtweg nicht erwärmen. ,,Es war dramatisch. Mein Sohn konnte nicht in seinem Zimmer spielen und ich konnte durch die Kälte nur mühsam im Arbeitszimmer arbeiten. Auch im Wohnzimmer, wo es immer behaglich warm sein sollte, war es nicht angenehm."

Die Kälte im Haus scheint nicht das einzige Problem zu sein. ,,Duschen war und ist ein Drama. Der Boiler sorgt lediglich sieben Minuten für warmes Wasser; versuchen Sie einmal in dieser Zeit Ihre gesamte Familie duschen zu lassen." Zu allem Überfluss gibt es Lärm- und Vibrationsprobleme, die von der Wärmepumpe verursacht werden. Die fehlende Wärme, die Duschprobleme und die Lärmbelästigung stellen eine Beeinträchtigung der Wohnqualität dar. ,,In einem neuen Haus muss es schön sein. Davon kann hier keine Rede sein."

„De Haan ist in sechs Monaten gelungen, was Vorgänger in drei Jahren nicht geschafft haben!"

Energiekosten
Die ersten Energierechnungen bestätigen Roberts Sorge. „Die Rechnungen waren viel höher, als wir es gewohnt waren. Das kommt durch die überlastete Anlage und die Kosten für zusätzliches Heizen. Zum Vergleich: Wir verbrauchen jetzt mindestens vierzig Prozent mehr Gas und Strom als in unserer alten Wohnung und das in einem so genannten „Energiesparhaus“. Der CO2-Ausstoß im gesamten „nachhaltigen Wohngebiet“ ist sogar vierzig Prozent höher als in einem durchschnittlichen Wohngebiet in den Niederlanden.“

Eigentümer- und Interessengemeinschaft
Robert ist bereits während er Bauphase in die Eigentümergemeinschaft eingetreten und hat das Amt des Vorsitzenden übernommen. „Ich kann mich recht gut artikulieren und war gern bereit, den Bau im Namen der Käufer zu begleiten. Nach der Übergabe habe ich bei Grillfesten in der Nachbarschaft erfahren, dass viele andere Nachbarn die gleichen Probleme hatten. Alles auch Bewohner der ersten Stunde, des so genannten 1. Bauabschnitts. Etwas stimmte nicht und 2009 verwandelte sich die Eigentümergemeinschaft deshalb notgedrungen in eine Interessengemeinschaft.

Dutzende Einzelbeschwerden gingen in eine Gemeinschaft von zirka einhundertfünfzig Haushalten über. „Die Geschichten von vielen Geschädigten sind bitter. Ich habe die verrücktesten Sachen erlebt. Keine der beteiligten Parteien übernahm Verantwortung, es gab nur leere Versprechungen. Zeit schinden, gegenseitige Anschuldungen, all das gehörte leider schon fast zum Alltag.“

Gutachten von Alliander
Im Jahr 2010 bekam der Interessenverband dann mit einem Mal durch ein umfassendes Gutachten des Netzwerkverwalters Alliander viele Beweise in die Hände. Ausgelöst durch dieses Gutachten folgten neue Podiumsversammlungen zu den kollektiven Problemen des WKS-Projekts. Der Beigeordnete Hans La Rose räumt das Scheitern des Projekts öffentlich ein und beruft noch einmal ein Beratungsgremium ein. Er vergisst dabei, dass der Interessenverband schon lange mit sehr guten Argumenten, Tatsachen und Beweisen mit dem Stadtrat im Gespräch ist.

,,Anfang 2011 wurde uns bewusst, dass wir einen Rechtsanwalt benötigen. Nachdem wir zunächst eine juristische Arbeitsgruppe gegründet hatten, haben wir letztendlich Kontakt mit einer Anwaltskanzlei aufgenommen. Diese Kanzlei hat uns drei Jahre lang betreut. Es folgten jedoch wenig konkrete Schritte. Unter den Mitgliedern des Verbandes wurde daher Anfang 2013 der Ruf laut, dem betreffenden Anwalt das Mandat zu entziehen.“

TNO
Mittlerweile wurde das unabhängige TNO, das niederländische Institut für angewandte naturwissenschaftliche Forschung, eingeschaltet. Es tauchen neue Informationen auf, die dem Betreiber Vitens bereits seit Jahren bekannt sind, aber den Bewohnern nie mitgeteilt wurden. Außerdem stützen neue technische Beweise das Argument, dass ein Fehler bei der Wärmepumpe vorliegt. Zudem stellt sich heraus, dass es bereits seit 2004 (Übergabe der Wohnungen des 1. Bauabschnitts De Teuge) durch eine Unwucht in der Wärmepumpe Probleme gab. Im Juli 2011 wird vorgeschlagen, den Betrieb der zentralen WKS-Anlage einzustellen. Betreiber Vitens schlägt vor, die Folgemaßnahmen in einen technischen und einen juristischen Teil zu splitten. Ende 2011 hat es den Anschein, dass die schwierigste Phase des Prozesses überstanden ist. Es wurde ein Projektmanager eingesetzt, um dem Umbauprozess Gestalt zu geben und Van den Breemen gibt den Vorsitz der Interessengemeinschaft nach fünf Jahren ab. Kurz darauf löst sich die Gemeinschaft aufgrund von Uneinigkeiten in Bezug auf den zu verfolgenden Kurs auf.

Rechtsschutzversicherer
Ab April 2013 werden die Bewohner nicht mehr von der Interessengemeinschaft beziehungsweise dessen Anwalt vertreten. Jeder steht wieder allein vor der Sache. Als Vitens im Oktober 2013 letztendlich einen sehr mäßigen neuen Vorschlag zur definitiven Beseitigung des Problems präsentiert, ist für viele Betroffene das Maß voll. Viele wenden sich an ihre Rechtsschutzversicherer, um persönlich rechtliche Schritte einzuleiten, so auch Van den Breemen.

Letztendlich schaltet eine Versicherung im Oktober 2013 De Haan Rechtsanwälte & Notare ein und kurz darauf wird Peter-Paul Bruens der Gruppe vorgestellt. Van den Breemen stellt sofort sein gut dokumentiertes und vollständiges elektronisches Archiv zur Verfügung. Bruens erkennt dadurch rasch die guten Chancen und skizziert in groben Zügen ein klares Vorgehen bei der Geltendmachung des Schadenersatzes nach der Feststellung der Nichterfüllung seitens der Gemeinde Zutphen und Vitens. Eine der ersten Handlungen von Bruens war die Errichtung der „Stiftung de Teuge“. Gemeinsam mit John Braam ist Van den Breemen im Vorstand der Stiftung. „Diesmal nur als Erfahrungsexperte. John und ich möchten gern unser Wissen zu dem Fall zur Verfügung stellen, haben aber keine Führungsrolle. Das ist jetzt Peter-Pauls Sache.“

Klage
De Haan Rechtsanwälte hatten innerhalb von sechs Wochen den Entwurf der Klageschrift aufgestellt. „Erst während des Aktenstudiums erkannte ich, dass es eigentlich zwei Parteien sind, die Fehler gemacht haben. Die Gemeinde Zutphen ist verwaltungstechnisch verantwortlich, aber Vitens hat das Projekt mangelhaft ausgeführt.“ Bruens ergänzte die ausführliche Akte noch mit einem eindeutigen Schadensgutachten eines externen Sachverständigen, in dem der Gesamtschaden der Betroffenen sorgfältig untermauert wird. Im Januar 2014 werden die Gemeinde Zutphen und Vitens im Auftrag der Stiftung angeklagt und für das Scheitern des Wärmepumpenprojekts zur Verantwortung gezogen.

Neuzustellung
Mittlerweile sind über 120 Betroffene der Stiftung beigetreten. Durch die wachsende Anzahl der Mitglieder musste die Klage sogar neu zugestellt werden. „Peter-Paul hat sämtliche Dokumente im Handumdrehen eindrucksvoll in die entsprechenden rechtlichen Wege geleitet. Er hat das juristische Vorgehen klar und deutlich präsentiert und ist den Betroffenen gegenüber ehrlich, was die Erfolgschancen angeht. Er hat in sechs Monaten das geschafft, was seinen Vorgängern in drei Jahren nicht gelungen ist!“

Aktueller Status
Der größte Teil der Bewohner hat mittlerweile beschlossen, mit dem gefloppten WKS-Projekt Schluss zu machen und die Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, die ihnen Vitens im Oktober 2013 mit dem Wechsel zu einer alternativen Wärmeversorgung, wie etwa einer Gaszentralheizung, vorgeschlagen hat. Betroffene sollten dabei eine zusätzliche Vergütung von € 3.750,- erhalten, allerdings nur gegen endgültige Entlastung. Bruens musste letztendlich mit einem Eilverfahren drohen, um zu erreichen, dass den Betroffenen auch ein Angebot ohne definitive Entlastung unterbreitet wird. Das liegt mittlerweile vor, so dass mit der technischen Umsetzung begonnen werden kann.

Unterdessen läuft das Hauptsacheverfahren normal weiter und befasst sich das Gericht mit der Nichterfüllung seitens Vitens und dem Versagen der Gemeinde Zutphen. Danach folgen für alle Mitglieder der Stiftung noch individuelle Schadensfeststellungsverfahren.

Abschluss
Robert ist mittlerweile wieder zuversichtlich. „Die Gemeinde Zutphen hat dieses Projekt damals mit den besten Absichten in Angriff genommen, aber den Zuschlag letztendlich dem kommerziellen Markt erteilt, und dort wirken andere Kräfte. Kräfte, denen man bei Rückschlägen nicht allein die Stirn bieten kann. Dafür brauchten wir letztendlich De Haan Rechtsanwälte. Ich möchte es zu Hause wieder schön warm haben, mich auf ein zuverlässiges Heizungssystem verlassen können und die entstandenen Kosten und Investitionen zurück haben. Das neue System wird bald  installiert und ich bin zuversichtlich, was das Gerichtsverfahren gegen die Gemeinde und Vitens angeht.

“Peter-Paul Bruens über die Akte „De Teuge“
„Die Sache war komplett festgefahren. Ein beteiligter Rechtsschutzversicherer hatte mich um eine Empfehlung zu dem Verfahren gebeten. Anschließend habe ich eine Stiftung ins Leben gerufen und ein Verfahren eingeleitet. Im Januar wurde Klage eingereicht und in einem Teilbereich scheint ein Vergleich mit dem Betreiber Vitens getroffen worden zu sein. Meine Mandanten werden das fehlerhafte WKS-System los und Vitens kommt für die Kosten der Umrüstung auf.“

Für Bruens ist vor allem die Dynamik der Sache interessant. „Es geht um eine große Gruppe von Betroffenen mit jeweils unterschiedlicher Sachlage. Fakt ist, dass diese Leute nie das bekommen haben, was ihnen zugesagt worden ist: ein gut funktionierendes, energiesparendes Heizungssystem.“ Bruens lobt die Vorstandsmitglieder Robert van den Breemen und John Braam: „Sie sind gute Zuhörer und liefern tolle Zuarbeit. Dadurch kann ich wirkungsvolle Schritte unternehmen.“